Geschichte der Orgel

Jeden Sonntag verrichtet sie treu ihren Dienst – und das seit beinahe 100 Jahren: die große Walckerorgel von St. Georg.

Die gesamte Georgskirche ist in Malerei und Innenausstattung in einem selten vorzufindenden, originalen Zustand erhalten und besitzt einen hohen Denkmalwert.

Glücklicherweise ist auch das Gehäuse und das Pfeifenwerk der prächtigen Orgel weitgehend ursprünglich. Diese wurde von der großen Orgelbaufirma E. F. Walcker in Ludwigsburg unter der Leitung von Oscar Walcker erbaut.

1904 Bau der Orgel mit Kegelladen und pneumatischer Röhrentraktur
1917 Zinnprospektpfeifen für den Krieg entnommen
1960 Erhebliche Funktionsstörungen der Orgel, Sachverständige raten zu einem Orgelneubau.
1964 Notwendigste Reparaturen; Ersatz der Pneumatik durch Elektrik und Veränderungen im Pfeifenwerk mit Fernziel Orgelneubau
1977-1983 Stilechte Renovierung der Kirche
1978 Notdürftige Reparaturen und Reinigung
1996 Orgelbauer, Sachverständige der Diözese und des Landes bescheinigen der Walcker-Orgel einen sehr hohen Denkmalwert.
19.7.2000 Einsetzung eines Ausschusses zur Orgelrenovierung
2001 Vier erfahrene Orgelfirmen bieten Konzepte zur Orgelrenovierung an.
18.9.2002 Der Kirchengemeinderat entscheidet sich für die Firma Kuhn (Schweiz)
Herbst 2004 Abschluß der Renovierung

Weitere Informationen zu den Orgeln in Ulm:
www.ulmer-orgeln.de

Die Orgelbauer

Eberhard Friedrich Walcker

Eberhard Friedrich Walcker (1794 – 1872) war im 19. Jahr­hundert wohl der bedeutendste Orgelbauer in Deutsch­land. Er ermöglichte mit seiner Kunstfertigkeit und seiner patentierten Kegellade den Bau größerer Orgeln im romantischen Stil. Alle wichtigeren deutschen Orgelbauer seiner Zeit lernten bei ihm. Er lieferte Orgeln in fast alle Erdteile.

Oscar Walcker

Oscar Walcker (1869-1948) war der Enkel von Eberhard Friedrich Walcker und übernahm ab 1892 Teilverantwortung im Familienbetrieb und war ab 1916 alleiniger Inhaber.

Drei seiner Orgeln seien hier aufgeführt: Als ein Höhepunkt des romantischen Orgeltyps in Deutschland gilt seine Michaelis-Orgel in Hamburg (1912, 163 Register, 5 Manuale). Oscar Walcker folgte aber auch der elsässisch- deutschen Orgelbewegung (Albert Schweitzer war einer ihrer Vertreter) und verwirklichte 1921 beispielhaft deren Ziele in seiner “Prätoriusorgel” in Freiburg, für die er den akademischen Grad eines Ehrendoktors der Philosophie erhielt. Zur Weltausstellung 1929 in Barcelona baute Oscar Walcker eine hochprämierte Orgel mit 150 Registern.

Während bei Walcker bis etwa 1885 die großen Orgeln eine mechanische Spieltraktur hatten, setzte sich danach die sehr viel leichtgängigere pneumatische Traktur durch, die ab 1905 ihrerseits durch die elektrische Traktur abgelöst wurde.

Die meisten romantischen Orgeln, auch die der Fa. Walcker, wurden im Laufe des 20. Jahrhunderts wesentlich verändert oder durch neue ersetzt, die den Barockorgeln nachempfunden wurden. Zum Glück ist mit der Walcker-Orgel Opus 1146 der Ulmer Georgskirche noch eines der letzen romantischen Werke aus der Pneumatik-Ära der größeren Orgeln erhalten. Sie wird nach der Renovierung wieder in ihrem ursprünglichen Klang zu hören sein.